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Neues vom Baui (März 2017)

Lassen Sie uns erst nochmal zurückblicken:
Seit fünf Jahren erfüllen die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit den Kindern vom  Bauspielplatz Langwasser individuelle Wünsche. Kurz vor Weihnachten gibt es dann ein Bescherungsfest auf dem Spielplatz in der Zugspitzstraße – da kommt der Weihnachtsmann, dem die Kinder auch im vergangenen Dezember wieder mit musikalischen Darbietungen eine Freude gemacht haben. Alle Mädchen und Jungen warteten gespannt auf ihre Geschenke. Ein besonderer Wunsch des Betreuerteams an die Kinder des Bauspielplatzes war unter dem Eindruck der Anzahl von geflüchteten Kindern, diesen zu helfen, sich in der neuen Umgebung und Lebenssituation gut zurecht zu finden. Das Ziel einer Annäherung und der Freundschaft zwischen Kindern unterschiedlichster kultureller Prägung und völlig verschiedener Lebenserfahrungen steht im Raum. Und so war es bei der Bescherung 2016 eine Freude für alle, dass auch eine Gruppe von syrischen Kindern mit ihren Eltern und ehrenamtlichen Helfern an der Feier teilgenommen haben. Ein syrischer Junge hat spontan zum großen Erstaunen aller Anwesenden ein Weihnachtslied in deutscher Sprache vorgetragen. Es war ein friedliches und fröhliches Fest mit fast 90 Menschen von zwei Jahren bis ins Rentenalter. Die Mitarbeiter der Bundesagentur machten dem Trägerverein und Mitarbeiterteam des Bauspielplatzes eine besondere Freude. Für das Integrationsprojekt flossen noch 400 Euro in die Kasse des Vereins, um die spezielle Umsetzung einer Weltkarte an einer großen Wandfläche im Aufenthaltsraum des Spielhauses ideell und finanziell zu unterstützen. Im Mai 2017 wird der große Raum renoviert und die aufgemalte Weltkarte dient der interkulturellen Arbeit, die in unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen in unserer Arbeit eine Rolle spielt.
Während der Renovierung (Fußboden und Wände) hat der Baui geöffnet und auch unser Essensangebot findet dann eben im Freien statt.
Auch in diesem Jahr geht es im integrativen Sinne in der Zusammenarbeit mit der Grundschule Zugspitzstraße weiter; Kinder aus Übergangsklassen besuchen den Baui zusammen mit ehrenamtlichen Helfern regelmäßig und genießen das Spielangebot. Dabei lernen sie noch besser die deutsche Sprache und finden Halt in ihrer oft schwierigen Lebenswelt.

Der Baui-Mitarbeiter Joachim Ueberall war zusammen mit einigen Bauikindern neben anderen Kindern aus Nürnberger Kindereinrichtungen als Sprecher für einen Kurzfilm zum Thema Kinderarmut ins Casablanca eingeladen. Pia und Claus sprachen die Hauptrollen auf dem Baui ein. Alle hatten auch schon kreative Beiträge zum Thema „Was brauchen Kinder, um glücklich zu sein?“ beigetragen. Das Jugendamt hat dieses Projekt gestartet und die Geschäftsführerin der Kinderkommission Cornelia Scharf, wie auch die Vorsitzende Ilka Soldner waren positiv überrascht, dass sich so viele Kinder derart engagiert beteiligten. Der „draw-my-life“-Film wird unter dem Titel „Armut raus aus meinem Haus“ ab Ende März auf YouTube gestellt. Anklicken!!!!!

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen wunderbaren Frühling, der dazu einlädt die Kinder zum Baui zu schicken! Raus an die frische Luft!
Mo –Fr: 13.00 bis 17.30 Uhr; Ferien: 11.00 bis 17.00 Uhr
Lorenz Gradl                                                 Inge Trepte
(Vorsitzender des Trägervereins)        (Spielplatzleiterin)

Neues vom Baui (Juni 2016)

In der pädagogischen Rahmenkonzeption des Bauspielplatzes Langwasser (Zugspitzstraße 181) aus dem Jahr 1998 sind unter anderem zwei wesentliche Arbeitsprinzipien beschrieben:

Akzeptanz – Das Annehmen der Kinder mit ihren Stärken und Schwächen, Erfahrungen und Verhaltensweisen ist pädagogische Grundhaltung. … Alle Kinder sind gleich willkommen. Sprachliche, körperliche, intellektuelle Defizite und soziale Unterschiede sind kein Hinderungsgrund für emotionale Annahme und Integration.

Internationalität – Unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Lebenserfahrungen von Kindern aus verschiedenen Ländern bereichern das Spielplatzgeschehen und sind ein Beitrag zu interkulturellem Verständnis. Konflikte, Vorurteile und Unterschiede werden aufgegriffen und thematisiert. Diese Auseinandersetzung trägt zur Bewältigung von Isolations- und Abgrenzungserscheinungen bei.

Diese Prinzipien passen wie angegossen zu einem Integrationsprojekt, dass das Mitarbeiterteam in Kooperation mit der Grundschule Zugspitzstraße seit April dieses Jahres durchführt. Das Angebot geht auf den ersten Blick ganz einfach. Dazu gehören ehrenamtlich Tätige, wahnsinnig engagierte Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die sich – bis auf eine junge Frau, die täglich zu Gange ist -, im Wechsel an mehreren Tagen in der Woche um Kinder aus Übergangsklassen während der Mittagsbetreuung in der Schule kümmern. Des Weiteren die Lehrerinnen, die das Konzept und das Team des Bauspielplatzes aus der praktischen Zusammenarbeit kennen. Dann, zwei Tage in der Woche, an denen Kinder im Alter von 7 bis 10 Jahren in der Mittagszeit auf dem Baui ankommen und spielen können. Es gibt das gemeinsame Ritual, eine Kleinigkeit zu essen (Obst, Brot, Schafskäse, Oliven, Bananenmilch, auch mal einen selbstgebackenen Kuchen – nur um ein paar Beispiele zu nennen), sich immer wieder sein eigenes Namensschild zu schreiben und miteinander zu sprechen. Die Kinder stammen aus Syrien, Bulgarien, dem Irak, der Ukraine und so weiter. Die meisten von ihnen haben unsäglich schlimme Erfahrungen mit Krieg und Flucht zu verarbeiten. Wir gehen auf das Bewegungs- und Spielbedürfnis der Kinder ein, und versuchen auch über gezielte Angebote den Kindern individuelle und gemeinsame Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Es kostet Kraft für alle Beteiligten und es ist gleichzeitig ein Projekt, das uns allen vor Augen führt, wie wertvoll unsere wertschätzende Zusammenarbeit ist.  Auch zu den Eltern der Kinder besteht ein regelmäßiger Kontakt, weil sie die Kinder gegen 13.30 Uhr vom Baui abholen kommen. Eine wunderbare Sache.
Bis Ende des Schuljahres 2016 werden wir dieses Angebot halten und uns gegenseitig darin bestärken, einen (kleinen) Teil zur Integration der Kinder und ihrer Eltern (bzw. ihrer Mütter oder Väter) beizutragen. Im neuen Schuljahr – so eine Idee, die sich auch als Forderung an entsprechende Stellen manifestieren könnte — wollen wir gemeinsam weitermachen und um fachliche Unterstützung bitten für ein vertieftes Integrationsprojekt zwischen Schule, Baui und Ehrenamt, damit sowohl die Kinder und ihre Familien, als auch die Ehrenamtlichen und Fachkräfte bei Kräften bleiben. Unser Ziel dabei ist es, Vorurteile abbauen zu helfen und Kindern, egal, wie lange sie nun in unserer Stadt leben, die Dringlichkeit gegenseitiger Wertschätzung zu vermitteln.
Weil zum Zeitpunkt des Formulierens des Artikels hier gerade noch die Fußball-EM stattfindet, möchten wir ausrufen: Wir bleiben am Ball.
Wir sehen uns bei der Langwasser Kirchweih mit Traktor und bunten Kindern in den Umzugswagen!

Lorenz Gradl                                                Inge Trepte
(Vorsitzender des Trägervereins)       (Spielplatzleiterin)